Tourenvorschlag durch die Knowtech 2007
Für alle Teilnehmer der Knowtech 2007 in Frankfurt, die noch nicht wissen, welche Vorträge sie besuchen sollen, hier ein kleiner Tourenvorschlag durch das Programm (nur für den 29.11., denn der 28.11. ist Plenumsveranstaltung ohne Wahlmöglichkeit). Die jeweiligen Vorträge sind mit den Seiten im GfWM-Wiki verlinkt, denn dort wird eine stichpunktartige Dokumentation der Vorträge erfolgen.
Zum Einstieg lohnt es sich, einen Blick in den Trendreport der BITKOM mit den wichtigen Trends im Wissensmanagement 2007-2011 und auch in die Diskussion im Weiterbildungsblog zu werfen.
1.) Eine Agenda für Wissensmanagement und intellektuelles Kapital in Deutschland - Gegeneinander oder Miteinander? (09:00 Uhr Forum 1)
Das Zusammenbringen der Wissensmanagement- und der Intellectual-Capital-Management-(ICM)Community (z.B. AK Wissensbilanz) halte ich für einen sehr wichtigen Schritt in Deutschland, denn das Wissensmanagement wird hier nach wie vor sehr technokratisch gesehen und ICM endet oft im "Erbsen zählen". Eine wichtige Frage ist sicherlich, was man in der "Knowledge Era" überhaupt noch messen kann. Die ICM-Community sollte sich meiner Meinung nach weniger in Richtung Finanzmärkte und mehr in Richtung Organisationsentwicklung orientieren (Wenn ein Verdurstender in der Wüste Wasser findet, sollte er dieses auch erst mal sichern und mehren und nicht messen!).
2.) Semantic FAQ bei ThyssenKrupp Presta - ein Praxisbeispiel für ontologiebasiertes Wissensmanagement (09:30 Uhr Forum 5)
Neugierig sein und Fragen stellen ist immer noch die beste Methode um zu lernen und zu lehren (das wusste schon Sokrates). Auch im Kontext des Expert Debriefings taucht das Stellen von Fragen als wichtiges Instrument der Wissensbewahrung auf (siehe z.B. Deep Smarts). Ich bin gespannt, in wie weit sich Ontologien in der Praxis mit FAQs verbinden lassen. Meine Erfahrungen aus der Praxis sind, dass viele Organisationen für die sehr formalen Ansätze der Wissensstrukturierung noch nicht reif sind.
3.) Prozessorientiertes Wissensmanagement zur Pragmatischen Verbesserung desintellektuellen Kapitals - Ansatz und Implementierung am Beispiel der Blechwarenfabrik Limburg (10:00 Uhr Forum 2)
Ich bin ein großer Fan von prozessorientiertem Wissensmanagement (Prozess = Tätigkeit, die einen Input unter Verwendung von Ressource in einen Output transformiert), denn anhand der Prozesse (know-how, prozedurales Wissen) lässte sich sehr gut ableite, was man in den Prozessen wissen muss (know-what, deklaratives Wissen). Sieht man Wissensmanagement als natürliche Trajektorie des Managements aus den letzten 100 Jahren (Taylor, Fayol etc.), dann ergeben sich Anknüpfungspunkte an die Norm ISO 9001 (s.a. Podcasts Intro to ISO und Intro to ISO part 2) und die darin standardisierten Erkenntnisse, dass Prozessorientierung und kontinuierliche Verbesserung wichtige Erfolgsfaktoren für Organisationen sind. Knüpft man daran noch das Controlling (die Messung von finanziellem und intellektuellem Kapital) erhält man ein integriertes Management-System zur wissensorientierten Unternehmensführung.
4.) Wissensmanagement-Prozess-Systematik als WM-Taxonomie und Instrument für Planung und Controlling im WM (11:00 Forum 2)
Die im Rahmen des Bitkom Arbeitskreis Knowledge Engineering and Management (AK KEM) erarbeitete Prozess-Systematik kann zur Herstellung einer gemeinsamen Sprache im Wissensmanagement verwendet werden (s.a. Weblog dazu auf gfwm.de). Will man diese Prozess-Systematik beispielsweise an das Prozessmanagement der Organisation ankoppeln, kann man beispielsweise das APQC Process Classification Framework und den darin enthaltenen Prozess "12.0 Manage Knowledge, Improvement and Change" verwenden.
5.) Gestaltung wissensintensiver Geschäftsprozesse aus Arbeitnehmersicht - Zu ambivalenten Entwicklungen in der Wissensarbeit (11:30 Uhr Forum 1)
Wissensmanagement und Wissensarbeit muss als nächste Evolutionsstufe der Trennung von Managern und Arbeitern gesehen werden, die Taylor 1911 in seinem Buch Scientific Management postuliert hat. Schon Taylor hat allerdings den "Schulterschluss" zwischen Managern und Arbeitern als erfolgskritisch für die Organisation gesehen. Da der Referent von der IG Metall kommt ist sicher interessant die Sicht der Vertreter der Wissensarbeiter (= Gewerkschaft) auf Themen wie Wissensmanagement, Wissensarbeit und Betriebsverfassung in Zeiten der Wissensgesellschaft zu erfahren und zu diskutieren.
6.) Bedeutung der Standardisierung im Wissensmanagement (12:00 Uhr Forum 4)
Dieser Vortrag eines DIN-Mitarbeiters interessiert mich sehr, da meiner Meinung nach die junge Disziplin Wissensmanagement (ca. 25 Jahre alt) mittlerweile einen Reifegrad erreicht hat, der sicherlich über Standardisierung nachdenken lässt. Es gab bereits verschiedene Aktivitäten in diese Richtung, z.B. der European Guide to Good Practice in Knowledge Management der CEN oder der Leitfaden Wissensbilanz made in Germany des BMWi. Australien war meines Wissens nach das erste Land, das mit dem AS 5037 einen eigenen Wissensmanagement-Standard hatte. Interessant sind auch die Aktivtäten des ISO/TC176, dem Gremium der ISO, die sich um die Weiterentwicklung der Norm ISO 9001 kümmern. Dieses Gremium hat die Integration von Umweltmanagement (ISO 14000) und Risikomanagement (ISO 31000) in die ISO 9001 auf der Agenda, Wissensmanagement wäre aus meiner Sicht ein logischer nächster Schritt.
7.) Von faszinierenden Freiheiten und notwendigen Kontrollen - Wenn Unternehmen auf Web 2.0 treffen (14:00 Uhr Forum 6)
Kontrolle vs. Selbstorganisation und Offenheit - eines der spannenden Themen im Umfeld von Enterprise 2.0 (s.a. Weblog Enterpise 2.0 Workshop), nicht nur vor dem Hintergrund von Produkthaftungsfragen. Ich bin gespannt auf die Sicht von Jochen Robes, dem Autor des Weiterbildungsblogs (s.a. Präsentation von Hr. Robes auf GfWM-Stammtischen zu Weblogs als Personal Management Tool (2006) und Trends in Corporate Learning (2007)).
8.) Projektkollaboration in der Zulieferkette der Luftfahrtbranche: Wikis unterstützen die Zusammenarbeit (14:30 Uhr Forum 6)
Nachdem sich nach und nach die Erkenntnis in Organisationen durchsetzt, dass es gar nicht so schlimm (wenn nicht gar nützlich) ist, wenn Abteilung A die Informationen der Abteilung B in einem Wiki sehen kann, stellt dieser Vortrag die nächste Stufe der Wissenstransparenz dar: Wikis im intraorganisationalen Wissensmanagement. Zusätzlich wird eine weitere Teildisziplin des Wissensmanagements gestreift, nämlich das wissensorientierte Projektmanagement (s.a. Cogneon Knowledge Jam Wissensorientiertes Projektmanagement und Weblog Rückblick: Wissensorientiertes Projektmanagement).
9.) EB Automotive 2.0: Die Wiki-Methode im Kontext der Lernenden Organisation (15:00 Uhr Forum 6)
Elektrobit ist ein Kunde, den wir von Cogneon schon seit mehreren Jahren betreuen. Anhand dieses Fallbeispiels lässt sich schön Zeigen, dass Wissensmanagement keinen Projektcharakter hat (also NICHT "eingeführt" werden kann), sondern ein Fall für kontinuierliche Verbesserung und Organisationsentwicklung hin zu dem Ideal Lernende Organisation ist. Im Rahmen des Vortrags geht es um Wissensportale, Wikis, Communities of Practice, Wissenslandkarten und Projekt Retrospektiven. Außerdem wird das Cogneon Modell IT-Infrastruktur für das Wissensmanagement vorgestellt.
10.) Feedback-Methoden - Erfolgsfaktor für ein Erfolgreiches Wissensmanagement (16:00 Uhr Forum 9)
Wissen drückt eine Erwartungshaltung gegenüber Ursache-Wirkungszusammenhänge in der Zukunft aus. Somit ist Lernen das Feedback unserer Umwelt auf unsere Handlungen und die Korrektur unseres Glaubens (Wissen = gerechtfertigter, wahrer Glaube), denn es gibt kein absolutes Wissen. In diesem Vortrag würde ich gerne mehr über Feedback-Methoden für Individuen, Gruppen und ganze Organisationen lernen, denn Feedback-Schleifen sind Prozesse der kontinuierlichen Verbesserung, damit Bausteine für komplexe, adaptive Systeme und die Lernende Organisation.
11.) Skill-Datenbank, Blogs und kollektiver Content - auch eine Frage des Rechts (16:30 Uhr Forum 6)
Je wissensintensiver Organisationen werden, desto mehr müssen sie alle Mitarbeiter an Entscheidungen partizipieren und dafür Informationen zugreifen und erstellen lassen. Hieraus ergibt sich die Frage, wie stehen "user generated content" (UGC) und "authority generated content" aus rechtlicher Sicht zueinander? Ich vermute, da gibt es noch viel mehr Fragestellungen als die Produkthaftung und das Urheberrecht.
Hinweis: Gerne können Sie einzelne Vorträge hier oder im GfWM-Wiki kommentieren!
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