KnowTech 2008 - Retrospektive
Heute trifft sich eine kleine Gruppe von Leute, um die KnowTech 2008 zu reflektieren und über die Ausrichtung der KnowTech 2009 nachzudenken. Grundsätzlich muss man sagen, dass sich die KnowTech von Jahr zu Jahr sehr stark verbessert hat. Der Veranstaltungsort ist besser und ein soziales Abend-Event ist zum Standard geworden. Aber es gibt natürlich auch noch einige Chancen für Verbesserung. Ich sehe in Bezug auf die inhaltliche Ausrichtung (Fokusthemen) und die Organisation jeweils drei Möglichkeiten.
Betrachtet man eine wissensintensive Organisation (z.B. ein Unternehmen) als ein Element der Gesellschaft, das durch wissensintensive Prozesse, die durch IT-Systeme unterstützt werden, Produkte und Ergebnisse erzielt, die der Gesellschaft dienen, so ist die KnowTech aus meiner Sicht ungefähr in der gelben Fläche anzuordnen.
Die Themen haben deutlich die IT im Fokus, was für einen Veranstalter wie die BITKOM auch völlig in Ordnung ist. Allerdings steht bisher eher der "1.0lligere" Teil der IT im Mittelpunkt, wichtige Anbieter wie Atlassian und SocialText fehlen. Die(Geschäfts-)Prozesse spielen nur eine nebengeordnete Rolle, Experten und Anwender aus dem Prozess- und Qualitätsmanagement-Umfeld sind kaum vertreten. Die Ebene der Organisation mit Führung, Kultur, Zweck, Prinzipien und Organisationsentwicklung ist praktisch nicht vertreten. Das ist meiner Meinung auch mit der Grund, warum das Forum "Politik, Macht, Finanzen", das auf der gesellschaftlichen Ebene angesiedelt ist, ein bisschen wie ein Fremdkörper in der KnowTech wirkt.
Meine drei Ideen zu den Fokusthemen für 2009:
- Als thematische Klammer sollte "IT-Unterstützung für das organisationale Wissensmanagement" in den Mittelpunkt gestellt werden. Damit gewinnt die Ebene der Organisation an Bedeutung, ohne dass die IT in den Hintergrund rückt. Man sollte sich auf einen gemeinsames gedankliches Modell für die Organisation festlegen (z.B. das GfWM Wissensmanagement-Modell oder das Konzept der Lernenden Organisation) und -und das ist vielleicht noch wichtiger- ein Forum zum Thema "Organisationsentwicklung" mit aufnehmen. Es ist nämlich noch gänzlich unklar, wie ein traditionelles, deutsches Industrieunternehmen mit 50.000-250.000 Mitarbeiter sich zu einem "Enterprise 2.0" entwickeln kann. Wissen über Entwicklungspfade, Pfad-Management, Soziologie und systemische Organisationsentwicklung ist hier dringend notwendig.
- Ein weiteres Thema sollte die "IT-Unterstützung wissensintensiver Prozesse" sein. Hier gilt es zu klären was wissensintensive Prozesse überhaupt sind (z.B. Nicht-Routine-Prozesse mit hohem Kooperationsanteil), welche Prozesse in Organisationen im Regelfall als wissensintensiv gelten (z.B. anhand des APQC Process Classification Frameworks) und welche IT-Systeme für die Unterstützung der jeweiligen Prozesse geeignet sind (z.B. anhand der Taxonomie von Prof. Gronau). Im Lauf der Zeit könnte z.B. eine Zuordnungsmatrix Prozesse/IT-Systeme entstehen.
- Um die doch recht abstrakte Ebene des organisationalen Wissensmanagements konkret zu machen, schlage ich weiterhin vor, ein Forum zum Thema "Persönliches Wissensmanagement" einzurichten, das vom individuellen Wissensarbeiter ausgeht. In diesem Forum sollte sowohl die IT-Unterstützung (PIM, persönliches Wiki, Weblog, FeedReader, persönliche Referenzablage etc.), als auch die methodische Sicht (Großmann Methode, Mission Statement Methode, Getting Things Done, Zen to Done, 7 Habits of Highly Effective People, Peter Drucker's "My Life as a Knowledge Worker") beleuchtet werden.
Meine drei Ideen zur Organisation der Knowtech 2009:
- Echte Keynote's: Man sollte in Zukunft sauber trennen zwischen "Key Note" (inhaltlicher Beitrag eines Weltklasse-Experten) und "Sponsorenvortrag". Natürlich darf man die Sponsoren nicht vernachlässigen, aber ich denke eine Aufteilung 2:2 müsste machbar sein. Meine Wunschkandidaten für 2009: David Garvin (Alternativ: Peter Senge, Prof. Wilkesmann) für das Thema Lernende Organisation und Don Tapscott (Alternativ: Dion Hinchcliff, David Weinberger) für das Thema Enterprise 2.0.
- Begrüßung und Verabschiedung: Die Veranstaltung sollte in Zukunft einen sauberen Anfang (Begrüßung) und ein sauberes Ende (Verabschiedung und Feedback) haben. Hier könnte z.B. der Prozess der Barcamps verwendet werden.
- KnowTech goes 2.0: Die gesamte Veranstaltung fühlt sich sehr "1.0llig" an (keine Blogs, kein Twitter, kein Wiki, keine Podcasts, keine Videos auf YouTube, kein Tag für Flickr, Slideshare etc.). Hier könnte, z.B. mit der Veranstaltung FastForward als Vorbild noch einiges getan werden. Auch die "KnowTech-Community" (Teilnehmer) kommt noch sehr stark aus der 1.0-/Digital-Immigrants-Zeit. Hier könnte man versuchen, mehr 2.0-Teilnehmer für die Teilnahme zu gewinnen. Eine Idee wäre z.B. das Veranstaltungsformat nach dem Vorbild der WikiSym um einen Unconferenz-/Open-Space-Teil zu ergänzen. Die Kopplung von klassischer Konferenz und Un-Konferenz hat bei der WikiSym 2008 in Porto wirklich vorbildlich funktioniert. Ich gebe außerdem eine Magnum-Flasche Champagner aus, wenn nächstes Jahr die Vorträge und Papers aller Beiträge endlich(!) kostenlos und für alle ohne Login auf der KnowTech-Webseite zur Verfügung gestellt werden. Auch hier: einfach von I-Know und WikiSym abschauen.
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